MK I

Lautsprecherbau ist generell ein Kompromiss! Diese Weisheit kann man gar nicht oft genug wiederholen! ;-)
Die MK I ist so ein Ding: Gebaut für mir sehr nahestehende Menschen, die aufgefordert wurden, mir ihre Wünsche bei Optik und Klang mitzuteilen. Dabei entstand die MK I: Relativ kompakt, mit einer schmalen Schallwand ausgestattet und trotzdem mit reichlich Tiefgang gesegnet dank seitlich verbautem Bass. Das passende Furnier (Indischer Apfelbaum, geniale Optik und Haptik sowie ein Preis, der mir jetzt noch Angst macht! 8-O ) macht ihn zusätzlich noch wohnraumfreundlicher, so das ich hier mal von einem sehr guten Kompromiss aus Klang und Optik reden möchte.

MK I

Bestückung

Nachdem ich bereits sehr gute Erfahrungen mit dem Peerless HDS E 5-25/08 gesammelt hatte und er auch generell ins Konzept passte als tief getrennter „Mittel“töner, stand die Besetzung auch schon fest. Das die Optik den zukünftigen Besitzern zusagte, werte ich mal als weiteren Pluspunkt.

Peerless HDS E 5-25/08

Ebenso einfach war die Hochtönerwahl: Optisch sollte er passen, klanglich gut auflösend und generell eher zurückhaltend spielen. Da griff ich ebenfalls zu einem Chassis vom Vifa-Vertrieb und wählte den Vifa XT300HV-Neo/4, der optisch wie die Faust aufs Auge passte. Er basiert auf dem bekannten XT 300, das Kurzhorn wird von Gerd Lommersum in Eigenregie gefertigt und besteht aus Aluminium, welches mit einer speziellen Methode gesandstrahlt wird.

Vifa XT300HV-Neo/4

Beim Bass wurde ich knausriger. Optisch passend wäre der passende Peerless gewesen, aber weder wollte ich ein Gehäuse um 50 Liter bauen, noch brauchte ich die Mitteltonfähigkeiten dieses Chassis: Ein reiner Bassist wurde also gesucht und im Tang Band W69 1042 gefunden. Sein einziger Nachteil ist die nicht wirklich schöne Optik, aber wozu gibt es Bespannrahmen? Er entschädigt dafür mit 7mm linearem Hub in beide Richtungen, einem klirrarmen Antrieb und geringem Gehäusebedarf bei ordentlich Tiefgang. Für den aufgerufenen Preis von 46,50€ kann man wahrlich nicht meckern.

Tang Band W69 1042

Gehäuse

Schmal sollte es sein. Und da ich gerade dabei war, entwarf ich ein nach hinten geneigtes Gehäuse, was in der Gesamtoptik sehr elegant wirkt. Einen Bauplan kann ich aufgrund der „Komplexität“ nur im Datenformat von Google SketchUp anbieten, so lassen sich Details besser erklären und man kann selbst eventuell noch „Hand anlegen“ am Design.
Edit: Aufgrund der großen Nachfrage kann man sich jetzt direkt hier den Bauplan runterladen. Um den zu betrachten bzw. auch zu editieren, braucht es Google SketchUp, für das ich noch eine Anleitung schreiben werde. Der Bauplan ist etwas unkommentiert, dürfte aber selbsterklärend sein. Und bitte nicht vergessen: Die Bässe sind spiegelsymmetrisch einzubauen. Bei Fragen einfach mailen! ;-)

Messungen und Weiche

Ganz einfach war die Weiche nicht, ein Seitenbass verlangt da etwas mehr Aufmerksamkeit. Auf den ersten Blick wirkt die Weiche überladen, aber technisch notwendig: Auf die Einbauresonanz des Mitteltöners und Tieftöners wurde jeweils ein Saugkreis gesetzt, um einen akustischen Überschwinger (Verursacht durch die tiefe Trennung) zu vermeiden, ebenso brauchte der Bass eine Glättung seines Impedanzanstieges zu hohen Frequenzen, um eine ordnungsgemäße Funktion des 12dB-Tiefpasses zu gewährleisten. Der Rest der Weiche ist einfach gestrickt: Nach unten wird der Mitteltöner mit einem Kondensator beschaltet, nach oben mit 18dB, um sich optimal mit dem gleich beschalteten Hochtöner bei 3Khz und -6dB zu treffen.

Weiche MK I

Ergänzendes zur Weiche: Die Werte 3,75Ohm sowie jeweils die 7,5Ohm in den Saugkreisen/der Impedanzlinearisierung sind parallel geschaltete 10 Watt Widerstände, da dort ordentlich Leistung verbraten wird. Diese Widerstände dürfen nicht mit Wolle bedeckt werden und idealerweise nicht festgeklebt werden.

Achse und Winkel

Weiche MHT

Weiche Bass

Der Klirr gibt sich ebenfalls harmlos, der erhöhte Klirr im oberen Bass und Grundton ist der Raum, da hat irgendwas ordentlich mitgeschwungen:

Klirr@90dB

Das Ausschwingverhalten ist einwandfrei, die Resonanzen um 7Khz sind Reflektionen am Mikrofonstativ und werden sich auch noch bei anderen meiner Messungen finden lassen:

Wasserfall

Die Impedanz ist unkritisch und für jedem „besseren“ Transistorverstärker kein Problem:

Impedanz

Klang

Wie klingt sie denn nun nach all der Mühe an Gehäuse und vor allem auch der Weiche? Wenn mir spontan ein Wort einfällt, ist es angenehm: Satter, tonal eher dunkler, wenn auch neutraler Klang, der für jede Musikrichtung geeignet ist, sei es elektronisch abgemischte Musik, Jazz oder Punk Rock. Der Bass spielt präzise mit leichtem Nachdruck und lässt sich nicht vom Dreh am Lautstärkeregler abschrecken, nach obenrum ergänzen der Peerless und der Vifa durch (Man verzeihe die Wiederholung!) eine angenehme und „runde“ Spielweise. Generell ist eine Klangbeschreibung halt schwierig… ;-)


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