Draught One&Two

Gerne wird bei DIY-Lautsprechern mit dem Satz „Damit sparen sie X (Bitte Betrag einsetzen) Euro gegenüber Fertiglautsprechern“ um sich geworfen. Das ist aber leider nur die halbe Wahrheit, denn schaut man sich mal einen Fertiglautsprecher der mittleren Preisklasse an, erblickt man zuerst ein schön verarbeitetes, absolut wohnzimmerkompatibles Gehäuse, welches auch mit durchaus hochwertigen Chassis der bekannten Hersteller bestückt wurde. QUALITATIV kann man also nicht meckern: Man bekommt oft viel Lautsprecher fürs Geld und im Vergleich zum DIY zahlt man nicht zu viel.
Die Probleme beginnen erst, wenn der gewünschte Klang nicht mit der gewünschten Optik einhergeht oder gar exotische Konzepte wie Breitbänder im Horn gewünscht werden, die aufgrund der extrem aufwendigen Gehäuse sehr schnell sehr teuer werden. Hier lohnt dann der Blick in den DIY-Bereich, wo man das grundlegende Konzept und einhergehend damit auch den Klang selbst bestimmt und dann ganz frei auch über die Optik und die Qualität bestimmen kann. Dem einen reicht die MDF-Kiste bestückt mit HighEnd-Chassis, der andere gönnt dem 20 Euro Breitbänder ein Gehäuse, in das ein Fertighersteller höchstens Chassis der Spitzenklasse verbauen würde. Oder anders gesagt: Jeder macht es so, wie es ihm gefällt und was der Geldbeutel hergibt.
Aber kann man nun wirklich Geld sparen? Ich behaupte mal ja, wenn man von der Annahme ausgeht, das Lautsprecher bauen ein Hobby ist, wo die Arbeitsstunden nicht gerechnet werden und der Gang in die Werkstatt als Entspannung gewertet wird. Bei aufwendig(st)en Gehäusen wird der Hobbyhandwerker gelegentlich zum Profitischler, wie ich es bereits oft gesehen habe und wo man teilweise nur neidvoll zugucken kann. Gönnt man sich dann noch die gewünschte Technik (Das kann ein Berylliumhochtöner oder ein kleiner Breitbänder sein): Ja, dann spart man Geld.
Aber genug der Einleitung zum Bausatzduo Draught 1&2: Ein schnöder Zweiweger mit Folie im Hochton und ein Aktivsubwoofer reißen einen erst mal nicht vom Hocker, da es schlicht „bekannt“ ist. Und dann ein vierstelliger Betrag alleine für die Technik? Spart man da wirklich…?

Bestückung

Die Draught 1 ist ein kompakter Zweiweger mit bekannten Chassis: Der Mark Audio Alpair 10 in der Bassvariante kümmert sich um die Frequenzen bis knapp über 2Khz und übergibt dann an den Bohlender&Graebener Neo 3.

Der Alpair 10 ist ein piekfein verarbeitetes Chassis. Manch einer stört sich am Plastikkorb und wittert schon Sparzwang. Hier kann ich aber Entwarnung geben, da diese Konstruktion durchdacht ist. Rippen verstärken den aufliegenden Korb und dank der guten Formbarkeit von Kunststoff kommen Belüftungsmaßnahmen nicht zu knapp. Diese sind offensichtlich sehr effektiv, denn trotz fehlender Polkernbohrung oder hinterlüfteter Zentrierspinne liegt Rms erstaunlich niedrig. Sicherlich auch ein Verdienst der sehr verlustarmen (inversen) Sicke, die zwar fragil wirkt, aber doch gut ihren Dienst verrichtet. Irgendwelche Problemzonen, die solche Sickenkonstruktionen verursachen können, findet man hier nicht. Lediglich eine kleine Membranresonanz oberhalb von 5Khz ist sichtbar, welche aber unproblematisch ist, da dank der geschickten Schwingspulenauslegung der Alpair 10 bereits ab knappen 3Khz in den Sinkflug übergeht und somit die Resonanz bereits ohne Weiche knapp unterhalb vom Bezugspegel liegt. Trotzdem wird sie per Saugkreis weg gefiltert, denn die knappen 4 Euro Bauteilekosten stören nicht wirklich und geben ein gutes Gefühl. Weiterhin überzeugen die Parameter, die Tiefbass aus kleinem Gehäuse bei gleichzeitiger Pegelfestigkeit garantieren: Ein linearer Hub von 7mm in jede Richtung ist nicht zu verachten.

Der B&G Neo 3 ist in meinen Augen und vor allem Ohren ein Ausnahmehochtöner. Optisch fällt auf, das hinter den jeweils äußeren Öffnungen Dämpfungsmaterial zu sehen ist. Diese Bedämpfung sorgt quasi für eine Abkopplung des äußeren Membranbereichs, d.h. die die Membran wird so gesehen schmaler, was wiederum zu einem breiteren Abstrahlverhalten führt. Geschickt umgeht man so die Probleme eines Folienhochtöners: Wird er zu breit, strahlt er weniger rund und wird er zu schmal, ist er meist nicht tief genug trennbar. Die Schwingspule befindet sich hier übrigens aufgedampft auf der Folie, welche jeweils vorne und hinten von Neodymstäbchen umgeben ist und damit zur Bewegung angetrieben wird. B&G nennt dieses Prinzip „Push&Pull“. Es steckt also etwas an Gehirnschmalz in dieser Konstruktion! Man erhält einen klirrarmen, recht tief trennbaren Hochtöner mit gutem Abstrahlverhalten in Relation zur Folienfläche. Einzig auf seiner Resonanzfrequenz schafft es der Antrieb nicht, diese komplett zu bedämpfen, wodurch eine Überhöhung im Bereich von 1,5Khz entsteht.

Der Aurasound NS12-794 ist meiner Meinung nach ein gelungenes Statement Bereich der Subwooferchassis. Optimal aufgehoben ist er übrigens in einem geschlossenem Gehäuse mit einer aktiven Entzerrung per DSP. Empfehlenswert ist auf jeden Fall die HiFiAkademie-Endstufe, welche gebrückt 500 Watt/4 Ohm liefert und damit schon ordentliche Pegel erreicht. Klanglich und messtechnisch steht der Draught-Subwoofer seinem großen Bruder kaum hinterher, auch wenn er durch eine geringere Membranfläche nicht so pegelfest ist… (Bevor das jemanden verunsichert: Ja, es geht laut. SEHR laut für so einen handlichen Subwoofer!)

Gehäuse

Da die Gehäuse schlicht und einfach gehalten sind und sogar eine kleine Videoanleitung vorhanden ist, erspare ich mir an dieser Stelle weitere Worte.

Bauplan Draught One

Bauplan Draught Two

Frequenzweiche

Die Weiche ist überschaubar und darf nach Belieben bestückt werden. Für die Saugkreise reichen glatte Elkos und einfachste Spulen, die durchaus hochohmig sein dürfen und in Kombination mit dem Widerstand den korrekten Gesamtwert ergeben müssen. Für den Bass reicht eine Luftspule mit einem Millimeter Querschnitt, wobei 1,4mm sicherlich nicht verkehrt sind. Parallel reicht ein Elko glatt. Für den Hochtöner empfehle ich MKP-Kondensatoren, deren Serienkonstanz den geringen Aufpreis zum MKT oder gar Elko mehr als nur rechtfertigen. Zudem hört das Auge bekanntermaßen mit. Die Parallelspule sollte eine Luftspule mit 0,7er Draht sein, während alle Widerstände frei zu wählen sind und zur Sicherheit mit 10 Watt belastbar sein sollten. Ein MOX schadet hier nicht und treibt die immer noch überschaubaren Kosten kaum in die Höhe.

Messungen

Messwerte gibt es an dieser Stelle aus diversen Gründen keine. Ein Hauptgrund ist sicherlich der verschollene USB-Stick, ein anderer die doch unauffälligen Kandidaten: Der Subwoofer gönnt sich im Raum dank DSP am Hörplatz seine 20Hz (Nachhaltig!) und der Satellit zeigt weder in der Amplitude, dem Ausschwingverhalten oder dem Klirr irgendwelche Ausreißer, die dokumentationswürdig wären.

DSP

Der Subwoofer wird aktiv entzerrt mit meiner Lieblingsendstufe von HiFi Akademie, welche praktischerweise bereits einen intuitiv bedienbaren DSP mitliefert. Hier sieht man als Beispiel nur einige Messungen, die dem der Draught doch recht ähnlich sind. Wer selber mal „spielen“ will, schaut sich einfach mal auf der Herstellerhomepage um. ;-)

Bei Fragen: Eine Mail reicht, da das Thema DSP doch einen eigenen Artikel wert ist…

Fazit und Klang

Bereits solo überzeugt die Draught mit voller Fullrangetauglichkeit. Sicher, der Wirkungsgrad ist eher niedrig, dafür erreicht der Kompaktlautsprecher adäquate 45Hz und lässt eigentlich bei keinem Musikgeschmack etwas vermissen. Die Blue Man Group mit ihrer doch eher bassdominanten Inszenierung wird bis zu einem nicht mehr mieterfreundlichem Pegel wiedergegeben und überzeugt mit einem satten Fundament. Vom neutralen Mittelton überzeugen wir uns mit den Dresden Dolls und ja, auch elektronische Musik zum Hochtönercheck wird schön crisp, aber niemals aufdringlich wiedergegeben. Die Draught gefällt also als durchaus neutraler, wenn auch tendenziell zahm abgestimmter Lautsprecher, der absolut langzeittauglich ist.
Erst der Filmcheck offenbart, daß die unterste Oktave doch unterrepräsentiert ist. 12 Liter und zwei Mal knappe 90cm² Membranfläche ersetzen halt nicht einen Bass mit der knapp dreifachen Fläche, der zudem mit einem DSP und einer leistungsstarken Endstufe ausgestattet ist. Vom möglichen Verschiebevolumen reden wir da noch gar nicht und bevor wir weiter sinnieren, wie es denn klingt: Am DSP-gesteuerten Subwoofer, der auf den Raum eingemessen wird, geht zumindest in meinem Fall kein Weg mehr vorbei… Klanglich ist das bei regulären Subwooferprojekten wohl schwer zu toppen und man erhält hier einen Referenzsubwoofer in seiner Größenklasse…
Eine Kombination mit einem Vifahochtöner ist übrigens fest eingeplant, sobald die aktuelle Vertriebssituation geklärt ist und wenn feststeht, daß der Bass weiter produziert wird. Stay tuned! ;-)


© 2009

www.chimeric.de Valid CSS Driven by DokuWiki do yourself a favour and use a real browser - get firefox!! Recent changes RSS feed Valid XHTML 1.0